TEKU*
Donnerstag, 15. Juni 2006
happy cadaver ...
... fronleichnam. finde ich ziemlich gelungen, diese kleine verballhornung eines festes, das ja kaum mehr jemand versteht, oder? einmal im jahr wird "jesus rausgelassen" aus dem tabernakel und in einer monstranz durch die stadt getragen. damit alle welt ihn sehen kann. warum eigentlich nur einmal im jahr? wahrscheinlich hat man sorge, er könnte irgendwas anrichten. etwas unkontrolliertes.
und deshalb: ganz schnell wieder rein in den tabernakel und zu die tür. rein ins grab mit dem "leichnam" (fronleichma = leib des herrn = corpus christi). jesus unter kontrolle.
dabei kommt tabernakel von lat. tabernaculum, zelt oder hütte. das zelt gottes unter den menschen. ein bild für das neue jerusalem. es müsste das ganze jahr fronleichnam sein. ein fest der befreiung. nicht jesus anbeten, sondern jesus sein.

Chagall-Fenster bei der UNO
Chagall-Fenster bei der UNO - Das neue Jerusalem

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Montag, 5. Juni 2006
A propos Geist ...
Franz von Assisi schreibt: "Alle, die den Herrn lieben aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele und ganzem Sinnen, aus ganer Kraft und ihre Nächsten lieben wie sich selbst und ihr verkehrtes Ich mit seinen Lastern und Sünden hassen und den Leib und das Blut unseres Herrn Jesus Christus empfangen und würdige Buße bringen: O, wie selig und gebenedeit sind jene Männer und Frauen, wenn sie solches tun und darin ausharren, denn auf ihnen wird der Geist des Herrn ruhen ..." (Brief an die Gläubigen).

Im Mittelalter, am Anfang des 13. Jahrhunderts, hat das eingeschlagen wie eine Bombe. Die Leute müssen ganz verrückt gewesen sein nach dieser Botschaft: Tausende, Hunderttausende haben sich diesem Leben in Buße verschrieben, und zwar ganz "normale" Menschen, Mütter, Väter, Söhne, Töchter aller gesellschaftlichen Klassen und Stände. Laien, wie es im Kirchendeutsch heißt.

Ich frage mich, was von diesem Geist geblieben ist und finde scheußlich, dass mir dazu immer zuerst und sofort die Variante des vermeintlich demütigen, frömmelnden Skrupulanten einfällt, der bestenfalls fähig ist, sich am Sonntag in eine Kirchenbank zu schleppen, irgendwelche sich mir nicht erschließen wollenden Sünden bekennt und dann wieder nach Hause trottet - vielleicht um sich auch noch mit einem Bußgürtel zu maltraitieren, um den Schmerz Jesu zu spüren. (Nur am Rande: Wenn man bei google-bilder "catholic" eingibt, erscheint als erstes so ein weichgezeichnetes Bild mit einer süßlich lächelnden Maria - das ist doch symptomatisch, oder?) Eins ist klar: Mit dem obenstehenden kann das nichts zu tun haben, oder?

Zuerst einmal gründet der Text oben im jüdischen Glaubensbekentnis Deuteronomium 6,4f.: "Höre Israel, der HERR ist unser Gott, der HERR ist einer und Du sollst den HERRN, Deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft." Sodann schließt sich die goldene Regel an, die Jesus auf die Frage nach dem wichtigsten Gebot nennt (Levitikus 19,18: Du sollst Deinen Nächsten lieben, denn er ist wie Du - vgl. auch Matthäus 19,19; Markus 12,31; Lukas 10,27). Hier erreichen wir also den Kern der christlichen Lehre.
Dann wird es ein wenig mittelalterlich: das verkehrte Ich, Laster und Sünden, Früchte der Buße. Aber vielleicht bringen uns gerade Letztere, die Früchte der Buße, auf die richtige Spur, wenn wir uns daran erinnern, dass schon Johannes der Täufer den Bewohnern Jerusalems die Umkehr gepredigt und Früchte der Buße gefordert hat. Der Evangelist Lukas hält ganz genau fest, worum es sich dabei handelt: "Wer zwei Hemden hat, gebe dem der keines hat. Wer zu essen hat, handle ebenso." (Lukas 3,11). Na bitte. Hier steht nichts von Bußgürteln oder Selbstgeißelung, Abtötung oder Beichte, Weichspülern und Gnadenvergiftungen. Teilen ist die Devise und die Not aus der Welt schaffen, zumindest soweit, wie man eben kommt im eigenen Bereich. Das verkehrte Ich handelt genau umgekehrt: Gierig, selbstverliebt und heute würden wir sagen sediert und betäubt von den Bequemlichkeiten einer Welt, die so krass in arm und reich aufgeteilt ist, wie vielleicht nie zuvor in der Geschichte. Wir Reichen merken davon selbstverständlich wenig, weil uns die unendliche Not, die unaussprechliche Schande, die mit ihr täglich verbunden ist, kaum vor die Augen und damit auch nicht in den Sinn kommt.
Und wenn es dann heißt, dass die Begeisterten im Sinne des Franz von Assisi, den "Leib und das Blut unseres Herrn Jesus Christus" empfangen, dann ahnen wir, dass sich darin die Aufforderung zur Gemeinschaft mit den Armen, Ausgegrenzten, den Verlierern andeutet, die so wie Jesus ihr Kreuz tragen müssen und sich fragen müssen, woher ihnen Gerechtigkeit zukommt (Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen, schreit Jesus mit Psalm 22 am Kreuz).

Wenn es dieser Geist ist, der da gemeint ist und den die Christen an Pfingsten anrufen, dann will ich mehr davon. Jetzt.

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Sonntag, 4. Juni 2006
Fragen


Heute ist Pfingsten. Und der Tag begann mit der Frage: Was ist eigentlich der Heilige Geist? Gottes Kraft, Lebenshauch. Wir haben es nicht wirklich beantworten können. Macht auch nichts. Das war schon oft so. Nur haben wir die Fragen ganz schnell wieder vergessen und deshalb habe ich beschlossen, die Fragen festzuhalten und dafür gibt es dieses Teku-Blog. Ein Teku ist eine Diskussionsrunde - jüdisch. Angeblich ist Teku die Abkürzung für den Propheten aus Tischbe, also Elija, der bei seiner Wiederkehr alle offenen Fragen beantworten wird. Deshalb sind Tekus dafür da, offene Fragen zu besprechen, von denen es viele gibt. Manche sagen sogar, das ganze Leben sei ein einziger Teku und die eigentliche Aufgabe bestehe nicht darin, Antworten zu finden, sondern mit den Fragen zu leben.

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Letzte Aktualisierung: 2006.06.15, 16:03
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